✽•*¨*•๑✿๑★ Autoreninterview ★๑✿๑•*¨*•✽
1. Wer ist Oliver Pötzsch? Magst du dich mal vorstellen?
Uff, wer bin ich und wie viele? Ich bin sprudelnder Geschichtenerzähler, manchmal cholerischer, stets liebender Familienvater und Ehegatte, Soulsänger, stiller Misanthrop und lauter Euphoriker, Tomatenzüchter, Fantasy-Rollenspieler, Angstneurotiker, Gitarrensammler, leidenschaftlicher Koch, neugieriger Reisender und ja, auch Schriftsteller.
2. Die wohl meist gestellte Frage: Wie bist du zum Schreiben gekommen?
Das wollte ich tatsächlich schon als Kind. Ich habe immer gerne Geschichten erzählt, mir welche ausgedacht und auch aufgeschrieben. In der Grundschule wurden meine Aufsätze manchmal laut vor der Klasse vorgelesen (meine Mathehausaufgaben nicht). Da dachte ich ganz stolz: Das kann ich, das macht mir Spaß, vielleicht wird das mal mein Beruf. Es hat dann aber noch dreißig Jahre gedauert, mit dem Umweg über den Journalismus, der keine schlechte Schule war.
3. Du wurdest mit deinem vierten Totengräber “Der Totengräber und die Pratermorde” für den Goldenen Homer 2026 nominiert. Das ist ein Preis für hervoragende Historische Literatur. Wie hast du dich gefühlt, als du von der Nominierung erfahren hast?
Ich hab den Preis ja schon mal bekommen, auch einen silbernen Homer, und war vor ein paar Jahren wieder nominiert. Klar, das ist jedes Mal eine Ehre! Und dann auch noch im geschichtsträchtigen Erfurt, wo ich ohnehin für meinen neuen historischen Roman recherchieren wollte … Vor allem aber freue ich mich, eine Reihe von Kolleginnen und Kollegen dort wieder zu treffen. Wir haben ja einen etwas seltsamen Beruf, jeder macht es ein bisschen anders, da kann man viel voneinander lernen – und uns alle eint die Liebe zum Historischen!
4. Wie lange hast du an diesem Buch gearbeitet? Und bist du auch für die Totengräber Buchreihe auf Recherche-Reise, z.B. den Prater persönlich besucht?
Ich brauche für ein Buch immer etwa ein Jahr, davon geht auch viel Zeit für die Recherche drauf. Und natürlich suche ich alle meine Handlungsorte vorher auf, hallo, das ist doch fast das Schönste! Erst dort entsteht meist das genaue Handlungsgerüst, hier habe ich die besten Ideen und die grusligsten Mordinspirationen … Manchmal tausche ich auf so einer Recherchereise auch noch den Bösewicht aus, das war auch im letzten Roman so.
5. Wenn du eine gefährliche, traurige, witzige oder spannende Szene schreibst, fühlst du dann mit?
Ja, das tue ich. Ich denke, es ist eine Voraussetzung für gutes Schreiben, sich in jede Szene reinzufühlen. Ich habe bei so mancher Szene auch schon mal eine Träne verdrückt, aber ich weine insgesamt sehr schnell, gerne im Kino oder beim Musikhören. Vor dem Fernseher übrigens mehr als meine Frau, die dann immer rüberguckt und sagt: Weinst du schon wieder? Und dann gibt sie mir einen Kuss.
6. Wer ist deine liebste Figur aus der Totengräber Buchreihe und weshalb?
Puh! Wer ist mein liebstes Kind? Diese Frage mag ich nicht beantworten, kann man sie überhaupt beantworten? Ich bin ja selbst eine Mischung aus dem neugierigen, neunmalklugen, eitlen Inspektor Leopold von Herzfeldt und dem grummligen, nerdigen, aber doch irgendwie liebenswürdigen Totengräber Augustin Rothmayer.
7. Du hast bereits mehrere Bücher geschrieben und veröffentlicht. Gibt es noch Romanideen für andere Genre?
Ich habe immer Ideen, jeden Tag. Die Frage ist, welche davon ein Buch wird. Und das wird hier nicht verraten …
8. Weißt du bereits vorher genau, was in deinen Büchern passiert? Oder arbeitest du dich an einen genauen Handlungsplan entlang oder brechen dir die Figuren schon mal aus und erfinden ihre ganz eigene Geschichte?
Früher habe ich nach einem mehr oder weniger festen Treatment geschrieben, das gab mir Sicherheit. Aber je erfahrener ich werde (und bei mir sind es dann doch 25 Bücher), desto mehr verlasse ich den sicheren Boden und trete hinaus ins Ungewisse. Und ja, dann führen mich die Figuren.
9. Gibt es bereits neue Projekte, die in Arbeit sind und von denen du erzählen möchtest bzw. darfst?
In Erfurt werde ich auch sein, um an meinem neuen historischen Roman zu recherchieren, der nächsten Sommer erscheint. Es wird ein Projekt sein, das viele Leserinnen und Leser bereits länger erwartet haben. Es ist der erste Teil einer neuen Serie rund um meinen Vorfahren, den Scharfrichter Jakob Kuisl. In dieser Prequel erfahren wir, was er als junger Mann im Dreißigjährigen Krieg erlebt hat. Das wurde in den zehn vorherigen Bänden ja immer wieder angedeutet. Ein wirklich sehr rechercheintensives Projekt über die Urkatastrophe der Deutschen! Da stecke ich gerade sehr viel Herzblut rein.
10. Welche Dinge verfolgst du mit Leidenschaft? Du hast nämlich neben deiner Leidenschaft zum Schreiben auch noch andere Hobbies? Erzähl uns etwas darüber…
Welches Hobby meinst du …? Kochen? Es gibt ja auch ein Kochbuch von mir. Musizieren? Singen? Ich begleite mich auf Lesungen selbst mit Gitarre und eigenen Liedern, bei größeren Veranstaltungen habe ich meine Band dabei. Und dann gibt es noch das Fantasy-Rollenspiel … Im Grunde hat mich diese Art zu Spielen erst zum Schriftsteller gemacht. Seit meiner Jugend erfinde ich als sogenannter ‚Meister‘ Geschichten, in denen die anderen am Tisch dann mitspielen. Wir haben erst kürzlich wieder unsere alte Rollerspieler-Gruppe wiederbelebt. Wenn wir in unsere Charakterbögen schauen, brauchen wir jetzt alle Lesebrillen – aber sonst ist es noch genauso großartig, spannend und lustig wie früher!

