✽•*¨*•๑✿๑★ Autoreninterview ★๑✿๑•*¨*•✽

1. Wer ist Alizee Korte? Magst du dich mal vorstellen?

Hallo und danke für die Einladung! Es freut mich, dass ich hier sein darf. Was kann ich über mich erzählen? Ich bin 48 Jahre alt, vollzeitarbeitende Familienernährerin und Freizeitautorin. Als Autorin Alizée Korte bin ich seit achtzehn Monaten aktiv. Ich habe bisher zwei Bücher veröffentlicht, meinen Roman „Dein Weg, meine Liebe“ im Oktober 2017 und im Juli 2018 den Erzählungsband „Das Echo der Farben“. Beide Bücher finden sich im Genre zeitgenössische Belletristik.

2. Die wohl meistgestellte Frage: Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Die wohl am häufigsten gegebene Antwort: Ich habe immer schon gern Geschichten erzählt und der Erwerb der Schreibfähigkeit war eine willkommene Möglichkeit, sie festzuhalten und über längere Zeiträume hinweg zu optimieren. Mit dreizehn beschloss ich, Schriftstellerin zu werden. Mit sechzehn korrigierte ich: notfalls auch Journalistin! Mit siebenundzwanzig blickte ich auf sieben Romanmanuskripte, zahllose Kurzgeschichten, Erzählungen und Notizbücher voller Plotskizzen und gratulierte mir zu meinem Magister in Politikwissenschaft und dem Scheitern meines Plan A. Denn ich hatte es weder zu einem Verlagsvertrag, noch zu wirklich relevanten Publikationen gebracht. Also trat Plan B in Kraft. Ich wurde Journalistin. Dass ich 2012 doch noch mal einen Anlauf nahm, mit „Dein Weg, meine Liebe“ einen Roman zu schreiben, lag auch daran, dass ich vor meiner Tochter weder als „gescheitert“ dastehen wollte, noch als eine Frau, die aufgibt. Und da man heutzutage auch ohne Verlag publizieren kann, war das mein Weg.

3. Hast du Rituale beim Schreiben? Wenn ja, welche?

Nein. Mein Rechner, meine Tastatur und ich. Bräuchte ich mehr, würde sich meine spärliche Schreibzeit noch mehr reduzieren und ich würde gar nichts mehr schaffen. Für „Dein Weg, meine Liebe“ habe ich neben Vollzeitjob und Familie fünf Jahre gebraucht. Die Erzählungen aus „Das Echo der Farben“ stammen bis auf eine, die ich im Frühjahr 2018 schrieb, aus den Jahren vor 2004. Ich habe sie lediglich überarbeitet.

4. Wenn Du eine traurige, witzige oder spannende Szene schreibst, fühlst du dann mit?

Ja, natürlich. Ich muss mich beim Schreiben sehr in die Szene hineinbegeben, alles ganz genau visualisieren und mithören. Nur dann kann ich das Geschehen realistisch wiedergeben, ohne dass eine Figur zwischendurch Augenfarbe oder Garderobe wechselt, die Sonne mittags untergeht oder sich die Architektur nach Harry-Potter-Manier verschiebt. Ich visualisiere übrigens auch meine Charaktere so individuell, dass es keine realen Abbilder von ihnen gibt. Ich musste mal jemanden suchen, der aussieht wie Etienne Jeancour. Ich bin fast verzweifelt. Inzwischen kann ich verraten: Er hat ein bisschen was von Jon Kortajarena – aber nur in einigen (alten) Bildern. Dass es für mich beim Schreiben dann auch sehr emotional wird, sollte klar sein. Deshalb schreibe ich auch ungern an Orten, wo Fremde mich sehen könnten.

5. Was machst du hinterher, wenn das Buch beendet und veröffentlicht ist? Stürzt du dich gleich in den nächsten Schreibmarathon?

Nach der Veröffentlichung von „Dein Weg, meine Liebe“ habe ich angefangen, meine Autorenpräsenz (Website, Facebook, Twitter, Instagram) aufzubauen und mit Bloggerinnen in Kontakt zu treten. Ich dachte nicht, dass ich noch ein zweites Buch herausbringen würde, wollte aber alles tun, damit das erste möglichst viele LeserInnen findet. Ich bin einfach sicher, dass wir in der Literatur mehr Figuren wie Etienne Jeancour brauchen und dass es dafür auch ein Publikum gibt. Etwa ein halbes Jahr nach Erscheinen des Romans habe ich gedacht, dass ich auch meine Erzählungen veröffentlichen könnte. Quasi als Abschluss meines schriftstellerischen Schaffens. Irgendwann währenddessen kam mir dann die Idee, aus den ausrangierten Romanszenen eine Fortsetzung zu schreiben. Daran arbeite ich jetzt seit über einem Jahr.

6. Was ist bis jetzt der Schönste Moment in Deiner bisherigen Zeit als Autorin gewesen?

Ich finde jeden Moment großartig, wenn ich mitbekomme, dass jemandem mein Buch gefallen hat. Ich mag es, wenn Frauen sich trotz seiner Behinderung in Etienne Jeancour „verlieben“ und wenn mir jemand schreibt, dass sich der eigene Blick auf Menschen mit Behinderung durch meine Geschichte verändert hat.

7. Neben dem Schreiben und Reisen ist Japan eine große Leidenschaft von Dir? Erzähl uns doch bitte, warum das so ist. Ich und meine Leser sind neugierig! (Mein Älester macht gerade Work&Travel und ist seit 26.4.19 in Japan)

Japan war eins der ersten Länder, das ich allein bereist habe. Ich war mit meiner japanischen Freundin unterwegs und hatte viel Familienanschluss. Damals mit knapp zwanzig habe ich viele Dinge entdeckt, die ich bis heute schätze, zum Beispiel japanische Reiskuchen, die ich gerade jetzt nasche.

8. Du bist ja jetzt nicht nur Romanautorin, sondern du hast ja auch eine Arbeitsstelle. Wie koordinierst du all die Tätigkeiten? In welcher Zeit fühlst du dich am wohlsten?

In meinem Roman sagt Etienne Jeancour einmal: „Ein gutes Leben ist wie ein guter Kampf im Karate: Man trifft, man trifft nicht. Es kommt darauf an, eine Balance zu finden zwischen dem, was gelingt und dem, was nicht gelingt.“ In meinem Leben als vollzeitberufstätige Familienernährerin gibt es Einiges auszubalancieren und die Dinge, die gelingen, kommen glücklicherweise aus allen Bereichen. Gerade war ich mit meiner Tochter einige Tage in Florenz und habe ihr die Kunst der Renaissance näher gebracht. Das war eine sehr schöne Mutter-Tochter-Zeit. Auch beruflich gibt es neue, spannende Entwicklungen und nach Feierabend habe ich gerade einen guten Lauf mit meinem zweiten Roman. Dafür sind die Gesundheit und die Sozialkontakte momentan Schwachstellen. Das Leben ist eben nie perfekt, aber solange es Dinge gibt, die gelingen, nenne ich es gut.

9. Der Roman „Dein Weg, meine Liebe“ erschien ja im Herbst 2017. Mit „Das Echo der Farben“, einem Erzählungsband, erschien im Juni 2018. Hast du nur diese Beiden oder hast du evtl. auch unter Pseudonyme schon veröffentlicht?

Alizée Korte ist mein einziges Pseudonym. Unter meinem bürgerlichen Namen findet sich alles, was mit meinem Hauptjob zu tun hat, das heißt: auch Vieles zu meinen Chefs. Das wollte ich nicht mit meiner schriftstellerischen Tätigkeit vermischen.

10. Etwas aus der Vergangenheit und mal ganz spontan eine andere Frage: Hattest du während deiner Schulzeit eine Judendliebe?

Ja, hatte ich. War eine komplett einseitige Sache und ich habe danach Jahre gebraucht, um zu kapieren, dass Liebe nichts ist, was man sich durch Anpassung und Gefallen-Wollen erarbeitet, sondern etwas, was man bedingungslos geschenkt bekommt.